Auswegdialog #12: Lino Zeddies

Lino Zeddies hat Ökonomie studiert, konnte dort aber die Antworte auf die Fragen, die ihn beschäftigen nicht finden. Er ist aktive in Netzwerk für plurale Ökonomik und der Monetative e.V. und hat sich mit Organisationsentwicklung beschäftigt. Im Mai 2020 hat er das Buch Utopia 2048 veröffentlicht.

In seinem Gespräch mit Nina Krämer spricht er über:

  • Welche Projekte ihn gerade bewegen?
  • Worin er die dringlichsten Probleme unserer Zeit sieht?
  • Ob und wie eine Geldordnung friedenschaffend sein kann?
  • Welche Lösungen im speziellen aus dem Bereich der Geldpolitik er für eine friedliche Zukunft sieht?
  • Welche Interessenslagen und Denkweise die Probleme immer wiederkehren lassen?
  • Wie er zu verschiedenen aktuellen Lösungsvorschläge steht
  • Wo er Österreich in 25 Jahren sieht?
  • Welche Wege er sieht um zwischen den Lösungswegen Synergien zu fördern?

Nina Krämers Zusammenfassung des Interviews:

Der studierte Volkswirt und politisch-ökonomische Aktivist Lino Zeddies ist Autor des Buches „Utopia 2048“ und malt darin sehr optimistisch (sic!) eine nahe Zukunft, in der die große sozial-ökologische Wende gelungen und die Demokratie aufgeblüht ist: es herrschen Frieden und Wohlstand, die Wirtschaft ist gemeinwohlorientiert und der Klimakrise wurde erfolgreich begegnet. Zeddies ist jung, sachlich, lösungsorientiert, hat Expertise in Organisationsentwicklung und Coaching und weiß viel über bereits gelungene alternative Ökonomieprojekte. Er engagiert sich in der Monetative (Stichwort Geldwende und Vollgeldreform bzw. Verstaatlichung der Geldordnung), und ist ein großer Fan von Bedingungslosem Grundeinkommen und pluraler Ökonomie. Lino ist Optimist und sagt, wir leben in der Fülle – eine Geschenkökonomie ginge sich locker aus. Er sieht in der Funktionsweise des gegenwärtigen Geld- und Finanzsystems einen zentralen Systemfehler, der Krisen, Ausbeutung und Entfremdung erzeugt. Daher gehöre unser System, das nur Druck erzeugt, vernünftig reformiert: plurale Ökonomik, ethische Banken, Komplementärwährung und die Stärkung sowohl der Basisdemokratie als auch der ursprünglichen Rolle der Zentralbank, sind dazu erste gangbare Ansätze…

Ein paar griffige Zitate aus unserem Interview vom 5.Juni 2020:

<<Wenn man Geld reformiert, kann man viele Ursachen für Nichtfrieden entfernen. Geld sollte eine dienende Rolle spielen, wie das Telefonnetz, Geld sollte Energie sein, die wir nutzen können, ohne dass sie uns beherrscht.>>

<<Wer glaubt, man könnte auf einem begrenzten Planeten unbegrenzt wachsen lassen, ist entweder ein Idiot oder Ökonom.>>

<< ad Vollgeld: Durch eine Verstaatlichung des Geldsystems könnte Geld schuldenfrei erzeugt werden –  als Wert, nicht als Last.>>

<<Es sollte keinen Konzernbanken mehr geben, die die Politik unterlaufen, sondern viel mehr ethische Banken. Auch die Situation am Finanzmarkt müsste sich verändern. Anstelle von unendlich vielen langen Gesetzestexten, bräuchten wir einige wenige klare Regeln.>>

<<Geldschöpfung aus Schulden, wie wir sie jetzt haben, ist eine unsinnige Verknüpfung, die wir aufheben sollten.>>

<<Zinsen führen zu Vermögenskonzentration. Alle Weltreligionen haben den Zins verboten, weil er die Gesellschaft kollabieren lässt. Vielleicht käme es durch Vollgeld und Gemeinwohlökonomie gar nicht mehr zu riesigen Anhäufungen von Kapital. >>

<<Das Abschaffen von Bargeld halte ich für sehr, sehr gefährlich für den Datenschutz. Missbrauch wäre möglich.>>

<< Oft sind wir zu sehr fokussiert auf die Kopfebene, aber wir sind auch Gefühlswesen. Wir brauchen Räume um uns kennen zu lernen, erst danach können wir uns intellektuell austauschen, offen und angstfrei. >>

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