Auswegdialog #20: Dr. Christoph Körner

Im 20. Auswegdialog unterhält sich Inge Patsch mit dem Theologen und Mitbegründer der Regionalwährung Zschopauthaler DDr. Christoph Körner.

Zeitleiste

0:16 Vorstellung
Als Pfarrerssohn konnte ich in der DDR nicht aufs Gymnasium, habe Elektriker gelernt. Als Studentenpfarrer war ich in der Widerstandsbewegung gegen das DDR Regime tätig. Wegen Verteidigung meiner Dissertation: „Die Notwendigkeit der politischen Predigt“, ist ein Haftbefehl gegen mich ausgestellt worden. Auf Grund des Mauerfalls wurde dieser nicht mehr vollzogen. Die Friedensarbeit führte mich zur Wirtschaftsproblematik: Der militärisch-industrielle Komplex ist der weltweit profitabelste Wirtschaftszweig.

4:18 Woran arbeiten Sie heute?
Beleuchte theologisch die Problematik der Zeitgeschichte.

6:00 In der Coronakrise sind wir konfrontiert mit der Unverfügbarkeit des Lebens. Ich arbeitete an einem Vortrag über Wilhelm Ostwald, einen sehr vielseitigen Wissenschaftler. Er sprach schon vor 100 Jahren von einem „Weltgeld“ und über Nachhaltigkeit.

9:32 Die dringlichsten Probleme unserer Zeit?
Es ist wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ – wenn die Alten taub und blind sind, werden die Kinder schreien und ihnen die Augen öffnen.

14:12 Das Vermögen der Milliardäre stieg 2018 um 12%, während das Vermögen der unteren Hälfte der Weltbevölkerung um 11% gesunken ist. Dies führt zu weltweiten Flucht- und Protestbewegungen.

16:05 Die Pandemie zeigt auch eine positive Seite: Wir in D und A haben sie stoppen können. Es ist möglich, etwas zu verändern!

17:46 Kann eine Geldordnung Frieden schaffen?

20:28 Ökologische Steuer und Bodenreform

23:55 Gibt es noch weitere Lösungsansätze?
Ökologische Kosten sollten in die Warenpreise fließen, Arbeit sollte nicht mehr besteuert werden.

28:18 Wir brauchen eine neue Arbeitskultur! Jeder könnte 1/3 Erwerbsarbeit, 1/3 Gemeinwohlarbeit, 1/3 meditative Arbeit leisten, zur seelisch-geistigen Regenerierung, meint ein amerikanischer Jesuit.

30:40 Welche Interessenslagen erzeugen die aktuellen Probleme?

32:50 Wir brauchen eine Abkehr vom nur bipolaren Denken, dies könnte uns geduldiger werden lassen, zum Dialog führen. Konfrontation zeigt, dass uns die Angst im Griff hat.

Stichwortkatalog

35:28 Bedingungsloses Grundeinkommen:
Wir bräuchten dazu auch Würdigung der Arbeit durch gerechtere Löhne. Ansonsten wäre es ein Verstoß gegen die Bedarfs- und Verteilungsgerechtigkeit.

37:54 Vollgeld und Monetative

38:54 Gemeinwohlökonomie

40:05 Komplementärwährungen:
Nach 7 Jahre Ehrenamt ist uns die Kraft für den Zschopauthaler ausgegangen. Es war ein überaus erfolgreiches Projekt mit 3 Jahre Vorbereitungszeit, 100 Betriebe, auch Banken waren dabei.

42:10 Kryptowährungen

48:08 Geld aus Schuld geschöpft

50:10 Zinseszins:
Finanzimperien regieren

53:17 Die Rolle der Nationalbank?
Es ist heute sehr schwierig für die NB die Balance für den Wirtschaftskreislauf zu halten. Deshalb muss international eine neue, gegen zerstörerische Bewegungen weniger anfällige Geldordnung geschaffen werden.

54:40 Die Rolle der Banken: Banken sollten Dienstleister werden

57:35 Freigeldkonzepte

1:00:04 Vermögenssteuer?
Wir brauchen sie wie die Transaktionssteuer

1:00:35 Eigentum versus Besitz?
Persönliches Eigentum muss geschützt werden. Genossenschaften sind eine gute Lösung, Grund und Boden soll privat genutzt, aber nicht Spekulationseigentum sein. Wir brauchen den Staat. Ich freue mich über den Staat – der so weit wie möglich individuelle Freiheit bietet.

1:04:00 Wie könnten D und A in 25 Jahren aussehen?
Der Begriff Wohlstand muss neu definiert werden. Zum Wohlbefinden gehört Muse, staunen können über die Natur – glücklicher sein mit weniger haben!

1:06:25 Ich bin ein Mensch voller Hoffnung. „Wehe wenn die Erfahrungen ohne Hoffnung leben….wo die Erfahrungen enden, beginnt der Glaube. Aber genau das ist die Hoffnung, in der die Zukunft beginnt. Dieses Gedicht hat mich in der DDR stark geprägt. Damit können wir unser Leben lebensdienlich erleben, nicht lebenszerstörend.

1:07:35 Warum nutzen die vielen Initiativen ihre Synergien nicht ausreichend?
Es ist ein Kommunikationsproblem. Man wird missverstanden. Manchmal wird die eigene Meinung zur Ideologie, nicht mehr hinterfragt. Glücklichere Beziehungen sind ein Prozess, Sein im Werden. Es gibt keine Perfektionierung, sondern fließendes Sein.

1:10:31 Wie können wir unser Miteinander zum Erblühen bringen?
Wir müssen andere Denkarten kennenlernen, uns einüben in Streitschlichtung. Die Wissenschaft braucht interdisziplinäres Miteinander um von Fachidiotien wegzukommen, lernen, nicht nur von der eigenen Wissenschaft aus zu denken. Das ist jetzt schon überall im Aufleben, z. B. in der Medizin. Das Leben ist zu komplex, als dass man überall Bescheid wissen könnte.

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