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Vollgeld – oder: Wie sollte Geld in Umlauf gebracht werden?

Raimund Dietz 25. August 2025 3 Minuten gelesen
Was ist Geld

Wer soll Geld schaffen: Banken oder der Staat? Heute erzeugen private Geschäftsbanken den Großteil unseres Geldes – mit weitreichenden Folgen für Finanzstabilität und Demokratie. Das Vollgeldkonzept zeigt einen klaren Weg: Geldschöpfung gehört ausschließlich in die Hand des Souveräns.

Geldschöpfung heute – ein unsichtbares Privileg

Die meisten Menschen glauben, Geld würde von der Zentralbank geschaffen und die Banken würden es lediglich weiterreichen. In Wirklichkeit erzeugen Geschäftsbanken mehr als 90 % des Geldes selbst – als Giralgeld, durch Kreditvergabe oder den Kauf von Vermögenswerten.

Das bedeutet: Mit jedem vergebenen Kredit entsteht neues Geld „aus dem Nichts“. Wird der Kredit zurückgezahlt, verschwindet es wieder. Dieses System ist instabil, weil es die Geldmenge an die Risikobereitschaft der Banken koppelt – statt an die reale Wirtschaftskraft. Finanzblasen und Bankenrettungen sind die Folge.

Die Idee des Vollgeldes – Geldschöpfung durch den Souverän

Das Vollgeldkonzept setzt hier an: Nur die Zentralbank, also der Staat als Souverän, soll neues Geld schaffen dürfen. Banken bleiben private Unternehmen, die Spargelder annehmen, Kredite vergeben und Vermögen verwalten – aber sie erzeugen kein Geld mehr.

Damit wird klar getrennt:

  • Geldschöpfung ist ein hoheitliches Recht.
  • Kreditvergabe ist eine private Leistung.

So entsteht ein transparentes, stabiles und gerechtes Geldsystem.

Wie kommt das Geld in Umlauf?

Wenn der Souverän Geld schafft, stellt sich die Frage: Wie wird es verteilt?
Es gibt drei Möglichkeiten:

  1. Verkauf – etwa wenn der Staat Leistungen aus der Bürgergesellschaft kauft (z. B. Infrastrukturprojekte).
  2. Kredit – die Zentralbank gibt Geschäftsbanken Geld gegen Sicherheiten.
  3. Geschenk – der Staat bringt Geld schuldenfrei in Umlauf, zum Beispiel über Staatsausgaben oder direkte Bürgerdividenden.

Besonders die dritte Möglichkeit unterscheidet staatliche Geldschöpfung von der privaten: Nur der Staat kann Geld schuldenfrei in Umlauf bringen.

Vorteile von staatlicher Geldschöpfung

Ein Geldsystem, in dem allein der Souverän Geld schöpft, bringt klare Vorteile:

  • Stabilität: Die Geldmenge wächst kontrolliert und unabhängig von Bankinteressen.
  • Gerechtigkeit: Der Gewinn aus der Geldschöpfung (Seigniorage) kommt der Allgemeinheit zugute.
  • Sicherheit: Guthaben auf Konten sind echtes Geld, geschützt vor Bankenpleiten.
  • Transparenz: Kredit und Geldschöpfung sind sauber getrennt.
  • Demokratie: Geldschöpfung folgt dem Prinzip der Gewaltenteilung – eine vierte Staatsgewalt, die Monetative, schöpft das Geld und es wird hauptsächlich über staatliche Ausgaben in Umlauf gebracht.

Fazit

Die Frage, wie Geld in Umlauf gebracht wird, entscheidet über die Stabilität unserer gesamten Wirtschaft. Wenn private Banken Geld aus dem Nichts schaffen, werden wir immer wieder Krisen erleben.

Die Lösung ist einfach: Geldschöpfung muss allein dem Souverän vorbehalten bleiben.
Nur so wird Geld wieder das, was es im Kern ist – ein neutrales, verlässliches, allgemeines Tauschmittel im Dienst der Gesellschaft.


Referenz: Raimund Dietz, Materialien zur Vollgeldreform (u. a. „Politische Ökonomik des Vollgeldkonzepts“, „Aufruf ProVollGeld“).

Politische_Ökonomik_Vollgeldkonzept_v15Herunterladen
Aufruf-ProVollGeld-10Th-v5Herunterladen

Über den Autor
Raimund Dietz ist Wirtschaftswissenschaftler und Publizist. Er beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Geldtheorie und politischer Ökonomie. Neben Fachbüchern wie „Geld und Schuld – eine ökonomische Theorie der Gesellschaft“ (Metropolis) und „Ökonomik als Sozialwissenschaft – die Bürgergesellschaft und ihr Geld“ (Springer-Gabler, 2024) engagiert er sich als Mitinitiator von ProVollGeld für eine demokratische Geldordnung und eine stabile Finanzarchitektur.

Über den Autor

Raimund Dietz

Raimund Dietz

Editor

Geldphilosoph , Gesellschaftstheoretiker, Ökonom. Obmann der Initiative proVollgeld e.V . Autor des Buches: Geld und Schuld; Metropolis-Verlag, 6te Auflage 2018.

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