Rückblick:  Geld neu denken – Informationen über das 1. Geldsymposium in Berlin

Am 27. und 28. Juni fand im Rathaus Treptow-Köpenick das erste Geldsymposium der Initiative „Geld der Zukunft“ statt. Das vollbesetzte Haus, eine engagierte Moderation und die Vielfalt alternativer Ansätze machten die Veranstaltung zu einem bemerkenswerten Auftakt für die Debatte um eine gerechtere Geldordnung.

Sieben Referent:innen stellten ihre Konzepte vor:

  • Samira Kenawi: Warengeld
  • Christian Felber: Geld als öffentliches Gut
  • Norman Bernholt: Solidarisches Geld
  • Maximilian Ruge-Segelhorst: Modern Monetary Theory (MMT)
  • Josef Huber: Vollgeld
  • Michael W. Bader: Achberger Schule / Gemeinwohlökonomie
  • Christian Gelleri: Regionales Geld

Mehr Informationen dazu finden sich unter geld-der-zukunft.org.

Rückblick der Veranstalter

In seinem Resümee betonte Mitgründer Simon Sonneberg, dass das Symposium „ein voller Erfolg“ gewesen sei. Die Mischung aus Expertenpanels, World-Café, Fachdiskussionen und einem dreistündigen Geldkonvent habe gezeigt, wie groß das Interesse an neuen Wegen der Geldgestaltung ist.

Im Mittelpunkt stand die gemeinsame Vision: Geld wieder in den Dienst der Gesellschaft zu stellen – demokratisch kontrolliert, ökologisch tragfähig und sozial gerecht. Trotz unterschiedlicher Ansätze verband alle Redner:innen dieser Grundgedanke.

Alles, was vom Menschen gemacht ist, ist veränderbar!

Impulse der Referent:innen – Notizen von Josefa Maurer

Im Folgenden die lebendigen Eindrücke von Josefa Maurer. Sie hat sich während der Diskussionen viele Fragen gestellt – und genau darin zeigt sich die Kraft dieses Symposiums: nachdenken, zweifeln, neue Bilder finden.

27.6.

Christian Felber: Geld sollte Werkzeug sein, kein Zweck. Die Welt hat sich auf den Kopf gestellt, wie kommt sie wieder auf die Füße? Der sportliche Christian hat am Podium einen Kopfstand gemacht, um diese Situation zu untermalen. Geld dient nicht der Menschenwürde. Es ist das mächtigste Mittel und muss demokratisch gestaltet werden.

Joseph Huber: Es gibt zu viel Geld, welches nicht in die Realwirtschft fließt, sondern in Erwartungen von Gewinn, dies führt zur Instabilität und zu Vermögenspreisinflation Diskrepanzen gibt es vor allem im Wohnungssektor, ungebremster Geldschöpfung der Banken und Entfaltung privater Kryptowährungen wegen. Die staatliche Währungshoheit steht auf dem Spiel.

Maximilian Ruge Segelhorst, Philosoph: Der Mainstream hat keine Antworten auf monetäre Fragen. Es geht um technische Fragen staatlicher Zahlungsarchitektur. Währungsherausgeber können sich nicht verschulden! Für demokratisch gewollte Staatsaufgaben gibt es kein Zuwenig an Geld!

Norman Bernholt: Es gibt viele Fragen zu Eigentum und Demokratie, die wir im Gesamten angehen müssen. Geld ist derzeit eine Ware, mit der Vorstellung noch mehr an Geld damit zu machen. Als Ware aber spielt es eine höchst unheilvolle Rolle. Das Geldsystem ist zentral wichtig für unser Miteinander, aber der Demokratie entzogen.

Michael w. Bader: Es geht um die Umwelt, die Wachstumsfrage, die Schere zwischen Arm und Reich, das Klima, alles hängt mit Geld zusammen. Bei 10% der Menschen sammelt sich 80% des Weltvermögens, dies ist die aberwitzige Möglichkeit den Rechtsstaat auszuhöhlen. Geld darf nicht mehr Spekulationsmittel sein, es soll allen dienen! Es braucht einen neuen Kapitalbegriff.

Samirah Kenawi: Gesellschaftliche Utopie braucht eine ökonomische Basis. Ökonomische Zwänge sind frei zu legen. Warum ist Geld so schlecht verteilt? Private Hypervermögen müssen aufgelöst werden. Es ist so wie mit einer Staumauer, aus der nur ein Rinnsal herauskommt. Hinter der Staumauer sammelt sich Geld. Wir sollen nicht Bewässerungsanlagen für uns bauen, sondern das Vermögensproblem lösen.

Christian Gellerie: Es gibt 10 000 Komplementärwährungen weltweit. Die bieten Hilfe in div. Herausforderungen. Der Chiemgauer entstand durch den Wunsch von Schülern, eine Turnhalle zu bauen. Vereine, Unternehmen waren mit dabei, mehrere Probleme konnten durch den Chiemgauer angegangen werden. Im konkreten Tun ergeben sich Schritt für Schritt Lösungen!

Das Design des Geldsystems ist mitverantwortlich, Konkurrenz beruht auf Angst. Wettbewerb motiviert schwächer als Kooperation! Win – win schafft gelungene Beziehungen, schenkt Glückshormone. Angst, nicht die Siegeslust motiviert den Wettbewerb.

Josef Huber: Geldschöpfung der Geschäftsbanken ist durch div. Produkte der Finanzmärkte so gefährlich, weil sie neue Klassengesellschaften erzeugt. Leistungslose Einkommen, die Dynamik zu riesiger Geldströme, brauchen staatliche Kontrolle.

Michael w Bader: Profitorientiertes Wirtschaften führt zu Manipulationen des immer mehr, Profit braucht immer mehr Angebote. 40% an Spielzeug wird nicht gebraucht. Billigkleidung wird zu 40% nicht verkauft. Die 60% werden im Durchschnitt nur 4x getragen, dieser Wegwerfdruck wird von einem unausweichlichem Wachstumsfluss gesteuert, 5% der Verschmutzung hängt mit diesem Zeug zusammen.

Norbert: Geld kann aus dem Nichts entstehen – nach welchen Prinzipien kann es der Gemeinschaft dienen? Geld ist ein öffentliches Gut, ein Zahlungsmittel für den Bedarf. Geld wird als Rechtsakt erzeugt!

Samirah: Geld ist Tauschmittel für Leistungen und Waren – Kreditgeld bildet das gut ab. Elon Musk, der reichste Mann der Welt, ist bereit, wenn Brandenburg in sponsert, sein Werk dort aufzubauen – dies ist Profitlogik.

Christian Gallerie: Der Mittelstand hat sich in den letzten 30 Jahren von 30 auf 14% verdünnt.  Liberalisierung und Freihandel werden nicht gebremst. Man ist durch Abhängigkeiten darauf angewiesen. Aber: Small is beautiful!

Max: Es gibt Unterschiede zwischen materiellen und finanziellen Wohlstand. Ist Geldschöpfung Verschwörung? Staatsanleihen werden gegen Zentralbankgeld getauscht, private Akteure haben die Macht zu entscheiden, ob sie Zentralbankgeld an die Regierung weiterleiten. Es gibt hier Umwege über andere Regierungen und Großbanken.  

Wachsende Staatsverschuldung lässt Geld in die Vermögensbildung fließen. 80 – 90% der Staatsschulden sind in ausländischen Händen.

Inflation hat vor allem mit der Verteilung zu tun. Wann endet sinnvolle Geldschöpfung? Solange die Nachfrage bedient werden kann, ist die Inflation nicht gefährlich. Geld, das nicht produktiv ist, nicht genutzt wird, beflügelt die Inflation. Steuern wären eine Lösung, um zu steuern….

Max: MMT könnte im gegenwertigen Geldsystem umgesetzt werden und Widersprüche auflösen, für öffentliche Belange wäre Geld da! Marktfundamentalismus verurteilt MMT. Ein Staat mit eigener Währung erzeugt mit jeder Ausgabe Geld. Einschränkungen wären unnötig, denn Geld ist Sozialtechnologie! Wir müssen keine Einschränkungen hinnehmen, wir können alle notwendigen Mittel als Staat schöpfen. Unfreiwillige Arbeitslosigkeit wäre Geschichte. Wir haben in der EU 13 – 14 Millionen Arbeitslose.

Christian Felber: Dem alten Paradigma der Finanzmärkte, können wir ein neues Paradigma entgegenstellen, neues Werkzeug, nicht Geld als Waffe! Geld ist konsequent ein Mittel, kein Zweck – es soll uns nachweislich dienen. Das Geldregal – von Rex – müsste vom Souverän übernommen werden. Kredite könnten nur noch für das Gemeinwohl ausgegeben werden. Immobilien fallen unter das Menschenrecht auf Wohnen, wir brauchen eine Begrenzung der Umverteilung.

Josef Huber: Zentralbankgeld ist Basisgeld – Staatsrecht. Vollgeld ist schuldenfrei, kommt über Staatsausgaben in den Umlauf. Wie im 18. Jh. Colonialscrip in den englischen Kolonien. Zentralbanken verstehen sich noch zu sehr als Zuarbeiter für private Banken.

Michael: Jeder einzelne Mensch ist in jeder Situation in der Wirtschaft komplett verwoben, weil sie nur durch Kooperation funktioniert.

Christian Gellerie: Kommunale Alternativen wie Wörgl haben gezeigt, dass Probleme zuerst lokal gelöst werden können. Es besteht die Chance, dass damit mehr in der Region eingekauft wird. Komplementärwährungen kann man auch groß denken.

Samirah: In der Schweiz wurde für Guthaben und Schulden ein Verrechnungssystem mit Kerbhölzern geschaffen.

Michael ist dafür, dass Geld nicht vom Staat, sondern lokal geschöpft wird.

Norbert: Die Geldfrage gehört ins Parlament. Regionalbanken können Filialen der Nationalbank werden, Kredite mit GWÖ- Bilanzen vergeben werden. Mit Steuern und Kredittilgung wird danach Geld wieder vernichtet.

Christian Felber: unterscheidet zwischen Erwerbsarbeit, Fürsorgearbeit, Eigenarbeit und Kommunalarbeit…

Norbert meint: Ohne Geld geht es auch!

Michael: Nur vor Ort kann gesehen und entschieden werden, was gebraucht wird! Wir brauchen nichts zu tun, nur die Rechtsordnung zu verändern! 😊

Aus Gesprächen am 28. 6.

Michael: Wir müssen die Realität anschauen, alles hängt eng miteinander zusammen, es geht um den Kern der Gemeinschaft. Deshalb muss Geld auch in der Gemeinschaft funktionieren. Geld geht in Unternehmen, wird zu Einkommen und geht zurück an Banken. Gemeinnützige Kosten ersetzen den Profit. In Konventen wird entschieden, wie wir den Wandel gestalten. Preise gestalten sich nach der Notwendigkeit, Dienstleistungsbanken sind angedacht, ebenso Ausgleichsmechanismen. 

Samirah: Derzeit leben wir in einer Chaostheorie durch pos. Rückkoppelung. (Anmerkung von Josefa: Je mehr Kredite bezahlt werden müssen, umso mehr an Geld muss in den Umlauf kommen.)                 Boden sollte nur noch gepachtet werden können. Jeder sollte gute Ideen auch ohne Geld verwirklichen können. Die Gemeinde verpachtet unter ihren Bedingungen.

Norbert: Wir brauchen solidarisches Geld, welches den Nebel ums Geld ablösen kann. Der Bundestag und die Gesellschaft entscheiden, wieviel Geld gebraucht wird. Zentralbanken verteilen Kredite. Geld wird nicht mehr als Ware gehandelt. Derzeit haben Steuern Lenkungsfunktion. Man wird sie nicht mehr brauchen!

Christian Felber: Geld ist ein öffentliches Gut, eine Ressource, mit dieser Sicht kann verhindert werden, dass durch den „Markt“ Geld missbraucht werden kann. Gemeinwohlprüfungen können verhindern, dass zum Schaden der Menschen produziert wird. Mit diesem Ziel im Fokus gibt es kein Zuviel mehr. Eine neue Säule der GWÖ (Gemeinwohlökonomie) setzt auf Herzensbildung. Damit könnten Produzenten nicht mehr alles anbieten.

Alles Geld käme von der Notenbank, wäre also „Vollgeld“, damit wären wir eine souveräne Demokratie. Menschenrechte, kollektive Grundrechte, wären Souveränsrechte. Es wäre notwendig, die Verfassung neu zu schreiben, so, dass der Souverän entscheidet, nicht die Regierung.

Josef Huber: Komplementärwährungen wären keine Konkurrenz zu Vollgeld. Derzeit darf die Zentralbank per Gesetz dem Staat kein Geld geben. Geld würde in Zukunft nicht mehr durch Kredit geschöpft.

Max: Wir brauchen langfristige Veränderungen, um die Katastrophe zu verhindern. Staatliche Verschuldung wäre einfach staatlich geschöpftes Geld!

Christian Gallerie: 6 Schülerinnen haben sich für eine praktische Arbeit zur Geldfrage entschieden. Der Chiemgauer wurde 2002 gestartet. 100 CG können gegen 95 € getauscht werden. Eine Million Chiemgauer sind im Umlauf. Zwei Leute sind hier voll beschäftigt.

Den Sardex nutzen 6 000 Unternehmen in Sardinien, mit dem Montex (Bozen) verbunden. Diese Währung ist transparent, Einkommen werden im Finanzamt angegeben.

Wer soll das Geld schöpfen?

Samirah: Der Einzelhandel mit den Banken

Norbert: das Parlament durch eine restaurierte NB, aber auch die Geschäftsbanken.

Wie kommen wir dahin?

Die Krise kann eine Chance für gemeinsame Ideen werden.

Christian G.: Es sollten die Köpfe rauchen, setzen wir uns zusammen! Was ist der kleinste gemeinsame Nenner? Aus dem Handeln heraus können Dinge transformiert werden.

Josef Huber: Wir brauchen Wissens- und Meinungsbildung

Max: Wir denken und verwenden Geld falsch! Es ist Zeit, dieses Thema zu besprechen! Neoklassisches Denken schränkt sehr stark ein. Außerdem haben wir ein Demokratieproblem.

Norbert: neue Demokratie braucht Bürger, die mitentscheiden, sich stützen, stärken. Wir sollten mit möglichst vielen Leuten darüber sprechen, ganz konkrete Gesetzesvorlagen besprechen. Was alle angeht, können nur alle lösen!

Christian Felber: Wir brauchen einen demokratischen Geldkonvent. Derzeit entscheiden mächtige Minderheiten. Seit der Finanzkrise 2008 gibt es nur noch wenige liberale Demokratien, sondern Vermögens- damit Machtkonzentration.

Michael: Wir brauchen ein unabhängiges Institut – Moneywatch für zukunftsfähige Geld- und Handelsimpulse, für eine neue Finanzkultur. Wir brauchen mehr Dialog zwischen den unterschiedlichen Schulen, „Pendeldiplomatie“, Auswegdialoge.

Michael Bader und Simon Sonneberg: Wir brauchen Vorschläge und kritische Nachfragen!

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