Von visionären Ideen zur Wirklichkeit

Thema unserer 4. Veranstaltung in Seitenstetten war „Christentum, Spiritualität und Wissenschaft für eine friedensfähige Geld- und Gesellschaftsordnung.“

Zur Vorbereitung hatte Anton Winter mehrere Tage lang DI Wolfgang Reinke, Prof. Johannes Heinrichs und zwei weitere deutsche Geldphilosophen zu sich eingeladen. Mit einer Powerpoint Präsentation stellte Wolfgang danach die Wertestufendemokratie (Sprung aus dem Teufelskreis) des ehemaligen Jesuiten und Freundes von Adolf Paster, Prof. Heinrichs vor.

Wolfgang hat angeboten, eine Schrift drucken zu lassen, die „Schlafende aufwecken“ könnte und Mut macht, Verantwortung zu übernehmen für die großen Herausforderungen unserer Zeit.

Eine Fundgrube für Antworten auf die Not von heute fand ich in dem Buch „Wege der Nächstenliebe“ von Christof Karner. Der Autor hat es 2007 geschafft, ein Buch zu veröffentlichen, das die Suche nach Wahrheit in alten und neuen Zeiten verbindet. Das Wesentlichste aus diesem Werk finden Sie hier zusammengefasst.

Danke Christof, danke Wolfgang, danke Ihnen/ Euch für die Zeit dieses Heft zu lesen!

Josefa Maurer, Mitarbeiterin im Kernteam vom „Forum Seitenstetten“

Wir stehen auf den Schultern von Riesen

Wegweiser für ein weltweit gutes Leben am Beispiel einer Familie

Karners Vorwort beginnt mit einem Zitat von Gandhi:

„Wahrheit“, bekannte er, „wurde mein einziges Ziel. Sie nahm täglich an Bedeutung zu, und meine Vorstellung von Ihr wurde immer weiter“.

Die Suche nach der Wahrheit steht in engem Zusammenhang mit dem zu erwerbenden Wissen um die Ursachen für Ungerechtigkeit. Sie ermöglicht auch, der Gerechtigkeit und damit gleichzeitig der Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen.

2014 haben Martha und Adolf Paster Erzählenswertes aus ihrem Leben unter dem Titel „Begegnungen mit großen Folgen“ niedergeschrieben.

Abschnitte daraus sind kursiv gedruckt.

Mit Martha und Adolf Pasters Lebensgeschichten werden die Aufgaben ihrer „Arbeitsgemeinschaft“ beleuchtet und deren geistiges Fundament freigelegt. Zu ihrer Arbeitsgemeinschaft gehören die FRATERNITÄT (Gemeinschaft behinderter und langzeitkranker Personen), HIFA (Entwicklungszusammenarbeit „Hilfe für alle“) und INWO (Initiative für natürliche Wirtschaftsordnung). Ergänzend zur Zusammenfassung des Buches „Wege der Nächstenliebe“ finden Sie im Anhang weiterführende Informationen und „Werkzeug“ für die Friedensarbeit. 

Adolf

wurde 1930 im oberen Mühlviertel geboren. Sein Vater Johann hatte eine kleine Landwirtschaft und arbeitete auch als Fassbinder. Johann Paster entstammte einer Müller- und Sägewerksfamilie, hatte sich juristisches Grundwissen angeeignet und konnte die ländliche Bevölkerung als „Advokat der Armen“ beraten.

Adolf las als 15-jähriger Hitlers „Mein Kampf“ und konnte nicht verstehen, warum die Erwachsenen diesem Mann hatten zujubeln können. Nach der Lektüre der Bibel, sowohl des Alten wie auch des Neuen Testamentes stand für ihn fest, dass er danach leben wollte.

Vielleicht haben Abenteuergeschichten aus der Besatzungszeit Adolf besonders mutig werden lassen und ihm die Erfahrung geschenkt, dass alles gut ausgehen kann. Gemeinsam nahm er mit Freunden eines Tages ein russisches Militärfahrzeug in Betrieb und fuhr damit in der Gegend herum. Russen erwiesen sich zum Glück als kinderliebend.

Inn- und Mühlviertel sind durch die Donau getrennt. Nun war es früher so, dass die Bauern vom der Donau nahe gelegenen Mühlviertel ihre Ferkel im Innviertel kauften, da sie selbst keine Ferkelsauen hatten. Was tun, die Donau war zur unüberwindbaren Grenze geworden? In regelmäßigen Abständen wanderten Wachtposten am Ufer entlang, doch Adolf und seine ebenfalls noch sehr jungen Freunde machten sich trotzdem auf den Weg. Eines Nachts verstecken sie sich am Ufer in einer Zille, die unter Gebüsch verborgen war. Als der Soldat außer Hörweite war, stießen die Burschen vom Ufer ab und ruderten so flink sie konnten ins Innviertel. Dort rannten sie mit ihren Säcken zu einem ihnen bekannten Bauern, der Zuchtsauen hatte, kauften Ferkel und schafften es, diese in ihre neuen Ställe zu bringen. 

Adolfs Berufe

Nach der Müller- und Sägewerklehre wurde Adolf Außendienstmitarbeiter und konnte sich mit einem viersemestrigen Lehrgang für Werbung und Verkauf an der Wiener Hochschule für Welthandel weiterbilden. Seine Gefühle und Überzeugungen veranlassten ihn,  seine Arbeitgeber öfters zu wechseln, wenn sich seine Tätigkeit mit seinen Wertehaltungen nicht vereinbaren ließ.

Adolfs Aufgewecktheit führte ihn schon mit 21 Jahren in die Tages- und Parteipolitik. Er war Wahlkreissekretär im Mühlviertel, danach ÖVP-Bezirkssekretär in Wien Brigittenau. Da Adolf seine Überzeugung nicht zurücklassen wollte, wechselte er wieder in den Außendienst, danach in einen Zeitschriftengroßvertrieb nach Salzburg.

Martha

kam 1931 in der Waldviertler Müllerfamilie Lengenfelder zur Welt. Von Geburt an gehbehindert, musste sie von klein auf erleben, wie sehr die Gesellschaft die Akzeptanz eines Menschen, sogar in der eigenen Familie, von körperlicher Vollkommenheit abhängig macht.

1938 hat der Hausarzt in Zwettl, Dr. Weismann alle Unterlagen vernichtet, aus denen hervorgegangen ist, dass Martha behindert geboren wurde. Zu jener Zeit kamen Busse in die Ortschaften, um behinderte Kinder und Jugendliche „zur Therapie und zur Erholung“ nach Schloss Hartheim zu bringen. Martha konnte damit dem Schicksal von über 30.000 jungen Menschen entrinnen, die dort an „Lungenentzündung“ gestorben sind. 

Mit Krücken ging sie ins Gymnasium, doch wurde ihr trotz des besten Maturazeugnisses kein höher qualifizierter Beruf zugetraut. Als einzige von acht Bewerberinnen bestand Martha den Aufnahmetest für Büroarbeit in einem mittelgroßen Handwerksbetrieb in Wien. 1953 hatte sie im Haus ihrer Großeltern Adolf kennengelernt, der hier geschäftlich zu tun hatte. Es war bei beiden Liebe auf den ersten Blick. Martha war sich ihrer Behinderung wegen sehr unsicher, ob sie heiraten sollte. Adolf meinte: „Das tragen wir miteinander.“

Beide Elternpaare waren gegen diese Ehe, die zu Weihnachten 1954 geschlossen wurde. Mit Adolf hatte Martha einen Menschen gefunden, der sie nicht als bemitleidenswerte Behinderte sah und konnte somit seelisch gesunden. Ein Jahr nach der Hochzeit kam Ulrike, im darauffolgenden Jahr Bernhard zur Welt.

Ständig auftretende schwere Lungeninfarkte während der Kindergartenzeit von Ulrike und Bernhard, warfen Martha immer wieder auf das Krankenlager. Von den fünf Jahren, in denen Infarktschübe auftraten, lag Martha drei Jahre im Bett, auf die Hilfe der Familie angewiesen.

Ständig mit dem Tod konfrontiert, lebte die Familie nun sehr bewusst. Die Intensität der Gespräche, auch jene über die letzten Dinge, so sieht es Martha, hätten der Familie Stärke und innere Ruhe gegeben, die letztendlich diese schwierige Situation zu einer zutiefst erfüllten Phase ihres Lebens gemacht hat.

1961 schenkte Adolf seiner Martha eine Reise nach Lourdes. Martha kehrte mit dem Auftrag zurück, die FRATERNITÄT, eine Geschwisterbewegung kranker und behinderter Menschen, in Österreich aufzubauen. Sie wagte es, gemeinsam mit drei weiteren behinderten Personen und einem Priester, die erste Fraternitätsgruppe in Wien zu gründen, diese wurde „zum Stoff, auf dem sich Träume verwirklichen können.“

Die FRATERNITÄT

Ihr Zielist es, kranken und körperbehinderten Menschen ihre Würde, ihr Personsein bewusst zu machen und durch religiöse und ethische Bildung Selbstsicherheit zu geben. Gründer der FRATERNITÄT ist Henri Francois. Er war ein noch sehr junger, schwer an Tuberkulose erkrankter französischer Priester, der wider Erwarten durch die Pflege seiner Mutter gesund wurde. Martha: Henri Francois machte als Pfarrer einer Arbeiterpfarrei in Verdun jeden Nachmittag Hausbesuche. Dabei lernte er alle Sorgen und Nöte, Krankheiten, Leid, Arbeitslosigkeit seiner Pfarrfamilien kennen.

Als er eine gelähmte junge Frau motivierte, sich anderen Menschen zuzuwenden, kamen Kontakte zustande, die gepflegt wurden. Es bildete sich eine kleine aktive Gruppe.

2 Jahre später nannte Pater Francois die entstandenen Gruppen Geschwisterliche Gemeinschaft, also „FRATERNITÄT der Kranken und behinderten Personen“.

Es ist wunderbar, welche Fähigkeiten Menschen, die mit Beeinträchtigungen leben müssen, entfalten können. Ich denke an unseren blinden Dr. Stefan Matzenberger, dem ein mit dem PC vergleichbares Erinnerungsvermögen geschenkt werden konnte. Auch dieser unser Bergpredigtpazifist, der aus dem Seitenstettner Schindelmacherhaus stammende Jurist, hat in der Arbeitsgemeinschaft der Pasters in Wien vorgetragen: Über das Lebenswerk seines Freundes DDDDr. Johannes Ude, einem der letzten Moraltheologen in Österreich, die sich mit der Struktur der Geldordnung beschäftigt haben.

Das Motto der FRATERNITÄT heißt: „Steh auf und geh…“ Heute ist diese Gemeinschaft in über 60 Ländern der Erde verbreitet. Gelebt wird das Motto in Gruppentreffen, Bildungswochen, persönlichen Begegnungen und Telefonaten. Sechs Rundbriefe werden jährlich verschickt und einmal im Jahr findet eine Jahreshauptversammlung statt. Frau Prof. Erni Eigner aus 3830 Waidhofen an der Thaya, Anton Pelletgasse 6/9, Tel.: 02842 20652 erna.eigner@gmx.net, schrieb zu den Adressen: „Wir werden uns sehr freuen, wenn du/ Sie uns kontaktieren wollen….“ Frau Ulrike Smrcek, smrcekulrike@gmail.com  0699 17 45 02 49 und Frau Ulrike Traudtner utraudtner@gmail.com 0676 51 54 501.

Martha: Wert und Würde des Menschen

Bei allen unseren Einsätzen und Aktivitäten geht es uns immer um die Bewahrung der Würde und des Wertes jedes einzelnen Menschen. Das ist uns ein besonderes Anliegen gerade in unserer Zeit. Einer Zeit, in der die Geburt eines behinderten Kindes ein „Schadensfall“ ist! Als eine Mutter ihr behindertes Kind nicht abtreiben wollte, wurden die Behandlungskosten, die mit der Behinderung und aller ihrer Folgen eintreten, von der Krankenkasse nicht übernommen! Und ein Arzt, der die Behinderung des Kindes im Mutterleib nicht erkannt hatte, wurde von den Eltern geklagt und vom Gericht verurteilt, für das behinderte Kind und seine Pflege aufzukommen und zu sorgen. Mich persönlich treffen diese Tatsachen ganz besonders. Wäre meine Mutter heute mit mir schwanger, hätte ich keine Chance zu überleben, denn ich bin mit einer schweren Behinderung geboren…

Dankbar bin ich immer, wenn ich für den Wert und die Würde jedes Menschen eintreten kann. In vielen Vorträgen konnte ich schon Impulse und Anstöße zu diesem Thema weitergeben. Mit besonderer Freude erfüllt es mich, wenn ich in Schulen vor jungen Leuten Zeugnis geben darf.  Jeder Mensch ist doch ein Abbild Gottes, und das bestimmt seinen Wert und gibt ihm seine Würde! Gerade dies prägt mein Verhalten meinem Nächsten gegenüber. Dem Betrunkenen auf der Straße kann ich daher auch mit Respekt begegnen und werde keine abfälligen Bemerkungen machen. Und sehe ich in einem entstellten Antlitz und in einem hilflosen alten Menschen dahinter das Abbild Gottes, dann wird es mir gelingen, mich ihm freundlich zuzuwenden und ihn mit Geduld liebevoll zu pflegen.

Durch unser Engagement in der FRATERNITÄT der kranken und behinderten Personen durften wir in vielen Begegnungen unzählige ergreifende Zeugnisse erleben, wie Menschen mit einer Behinderung ein erfülltes, vollwertiges Leben führen. Und ich zähle mich heute auch dazu.

„Der erste Apostel des Kranken ist ein Kranker“ meinte P. Francois, der Gründer dieser Apostolatsbewegung. Ich habe die FRATERNITÄT 1961 in Frankreich kennen gelernt und nach Österreich mitgebracht. „Steh auf und geh“ sagt uns und mir Jesus auch heute! Und so bewege ich mich mit den Krücken und im Rollstuhl auf meinen Bruder, meine Schwester zu, um ihnen die frohe Botschaft zu bringen, dass sie von Jesus und seinem Vater voll geliebt sind.

In der FRATERNITÄT sehe ich eine überaus kreative Art von Volkshochschule, mit ehrenamtlich geleisteten, interdisziplinären Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung. Ganz besonders beeindruckt hat mich Josefine aus Vorarlberg! Diese so lebensfrohe Frau konnte trotz Rollstuhl nie eine Schule besuchen, sie wurde von ihrer Pflegemutter unterrichtet. Josefine leidet an sehr schweren Behinderungen, Verletzungen durch einen missglückten Abtreibungsversuch. Mit einer Hand ist es Josefine möglich, eine Tastatur zu betätigen, sie erlernte acht Fremdsprachen in Wort und Schrift, die über 80-jährige macht Übersetzungsarbeiten für HIFA und leitete sechs Jahre lang die österreichische FRATERNITÄT!

In der FRATERNITÄT in Nigeria bekamen behinderte Menschen vom Bischof Schreibmaschinen und einen PC geschenkt. Inzwischen erledigen sie Schreibarbeiten, bilden Nichtbehinderte mit ihren Kenntnissen aus und helfen jenen, die sich über Internet keine Informationen herunterladen können.

Maria Lourdes, eine Brasilianerin, die ihr Leben lang in einer Gipsschale ans Bett gefesselt ist, reiste nicht selten bei extremen klimatischen Bedingungen 1000 km weit in einem VW Bus, um an Ausbildungskursen und Treffen teilnehmen zu können und diese zu leiten! Sie kam sogar zu einer Demonstration nach Costa Rica! Etwa 100 langzeitkranke Personen harrten vor dem Parlament in sengender Sonne so lange schweigend aus, bis Volksvertreter auf die Straße kamen und mit ihnen einen Dialog begannen.

Es ist die Liebe, die Wunder möglich macht. Bei Viktor Frankl las ich in seinem Buch „Der unbewusste Gott – Psychotherapie und Religion“ auf Seite 24: „Die Liebe erschaut und erschließt Wertemöglichkeiten am geliebten Du. Die Liebe nimmt also in ihrer geistigen Schau vorweg, was ein geliebter Mensch an noch unverwirklichten persönlichen Möglichkeiten in sich bergen mag.“

Ich meine, dass es nicht nur ein sehr konkreter Mensch ist, dem mit dieser Haltung Entfaltung geschenkt werden kann. In der FRATERNITÄT ist man sich der Geschwisterlichkeit bewusst. So wird Liebe beständig erfahrbar, von rundum.

Unsere Tochter Steffi war in der Hauptschule in einer Integrationsklasse. Ein schwer behindertes Mädchen,  Theresa, war ein Sonnenschein. Sie kann wenig sprechen, sich kaum bewegen, aber sie weinte aus Mitleid wenn sich jemand wehgetan hatte.

Die FRATERNITÄT konnte in Wien auf Grund  zwischenmenschlicher Begabungen, zur „Wiege“ der HIFA „Hilfe für alle“ werden.

 HIFA

Adolf: Begegnungen mit großen Folgen

Es war im Jahr 1968. In Afrika tobte schon das 2.  Jahr der Biafrakrieg. In den Medien gingen die Bilder der hungernden Biafrakinder um die ganze Welt. 2 Millionen Menschen sind während dieses Krieges verhungert. (1967 – Jänner 1970)

In dieser Zeit war ich beruflich Generalbevollmächtigter der Neuen Bildpost für Österreich und für Redaktion, Werbung und Vertrieb zuständig. Auf Wunsch der Zentralredaktion in Deutschland führte ich auch das Spendenkonto unserer Zeitungsleser in Österreich. Gegen Ende des Krieges waren noch 12.800 Schilling auf dem Konto, mit denen wir Biafra nicht mehr helfen  konnten.

Adolf fand in Favoriten Aaron Ekwu, einen Priester aus Nigeria, der gemeinsam mit einem Freund und dank der Spenden von 200 Personen in Österreich hatte studieren können. Bald war klar: Allein mit Spendengeldern war der Situation in Biafra nicht beizukommen. Hilfe zur Selbsthilfe war notwendig.

Und da kam mir die Idee mit einer Musterfarm zu helfen, die Lebensmittel produziert, Arbeit schafft und Wissen vermittelt. Aaron war sehr begeistert von diesem Projekt und so begannen wir für diese Farm zu arbeiten. Als Rechtsträger gründeten wir hier in Österreich im Jänner 1971 den Verein „HIFA – Hilfe für alle“.

Ich hatte einen Fulltime-Job in meinem Beruf und abends und zu den Wochenenden arbeitete ich für das Afrikaprojekt. Ich mietete ein kleines Lokal in Wien in der Raffaelgasse, löste meinen eigenen Zeitschriftenvertrieb in Salzburg auf und brachte Büroeinrichtung und Büromaschinen nach Wien. Die ersten Zeitungen des „HIFA-Pressedienstes“ wurden auf Matrizen geschrieben und jede einzelne Seite 1000 Mal auf der Maschine händisch abgezogen. Die Stielow – Maschine ermöglichte uns die Adressierung mit speziell beschriebenen und gelochten Adresskarten. Heute im Zeitalter des Computers kann man nur staunen über diese vorsintflutlichen Arbeitsmethoden – aber sie funktionierten.

Als Ref. Fr. Dr. Aaron Ekwu von seinem Bischof in die Heimat zurückgerufen wurde, sollte Adolf in Österreich den finanziellen Boden für Entwicklungszusammenarbeit schaffen. 1971 brach er erstmals nach Nigeria auf, um die mögliche Realisierung dieses äußerst schwierigen Projektes auszuloten. Viele Reisen waren in Zukunft notwendig, mit seinen 16 Stundenarbeitstagen, sah Adolf seine Kinder nur noch schlafend. 

Adolf: Im einberufenen Familienrat waren wir uns einig, dass diese Situation unhaltbar ist. Die Kinder meinten, mindestens an einem Abend in der Woche und an einem Wochenende im Monat sollte Papa zu Hause sein. Da stellte sich die Frage: Welche Arbeit gebe ich nun wirklich auf? Arbeite ich nur halbtags in meinem Beruf haben wir nur das halbe Einkommen. Da reagierten die Kinder: Wenn sich Papa für die armen Menschen einsetzt, dann könnten wir doch auch ein einfacheres Leben führen. Sie beschlossen, auf das Taschengeld zu verzichten, ihren KollegInnen Nachhilfestunden zu geben und dieses verdiente Geld für einige Schulausgaben zu verwenden. Beide waren damals im Gymnasium. Sie verzichteten auf Schikurse und Theaterabonnements. In den Ferien wollten sie arbeiten für Schuhe und Kleidung. Und das taten sie auch. Ulrike arbeitete immer in den Sommerferien fünf Wochen in einem Hotelbetrieb und fuhr mit der ersten Straßenbahn in der Früh los. Bernhard arbeitete beim Paketzustelldienst. Als ich im April 1971 nach meinem ersten Einsatz in Nigeria erzählte, dass sich viele Leute nicht einmal ein Mal am Tag richtig satt essen können, schlugen die Kinder vor, dass auch unsere Familie auf eine Mahlzeit verzichten solle und wir nur zweimal am Tag essen. Das tun wir noch heute, auch unsere Kinder.

Durch diese Reaktion unserer Kinder war die Entscheidung gefallen. Gott hat dann wirklich alle Wege geebnet, ich konnte über Nacht meinen Job aufgeben und mich ganz für Afrika einsetzen. Ein Jahr lang war ich ohne Einkommen, all unser Erspartes war verbraucht. Wir lebten wahrlich von der Hand in den Mund und von der wunderbaren Güte unseres himmlischen Vaters. Dann wurde ich angestellt für die Öffentlichkeitsarbeit und die Vorträge mit einem Minimumgehalt. 

Martha: Gebet und Einsatz.

Ja, nun hatten wir wirklich unser ganzes Leben umgekrempelt. Aber Gott war damit noch nicht zufrieden. So schickte er Rudi in unser Leben. Rudi hatte einige Jahre im Gefängnis verbracht. Nach seiner Entlassung erlebte er beim Cursillo eine dramatische Bekehrung.  Als wir ihn einmal im Auto mitnahmen, hat er uns eine Stunde lang von seinem „Haberer“ erzählt der auch für uns „Alles“ sein muss. Wir brauchten eine ganze Weile, bis wir erkannten, dass Jesus dieser sein Haberer war. Rudi fragte uns auch über unser Glaubens- und Gebetsleben aus. Wir hielten uns eigentlich für gute Christen. Doch Rudi war da ganz anderer Ansicht. Er erklärte uns, 10% unserer Zeit soll dem Herrn gehören. O Gott, das sind doch mehr als 2 Stunden täglich!

Diese Aussage ließ uns doch keine Ruhe und in der Folge  überprüften wir unser Gebetsleben. Abends wird es immer sehr spät und wir sind zu müde. Also planten wir eine Gebetszeit am Morgen. Wir überlegten uns, welche Gebete enthalten sein sollen. Denn Gebete verrichten ist ja noch kein Gebet! Gebet – egal in welcher Form – bedeutet Begegnung mit Gott und muss aus dem Herzen kommen (Therese von Avila).

Viel Platz sollen also Lobpreis und Dank einnehmen. Dann ist es gut, den Tag zu überdenken mit unseren Aufgaben und Verpflichtungen und den Segen Gottes dafür zu erbitten. Wichtig ist uns auch, alle Menschen zu segnen, denen wir an diesem Tag begegnen. Dann folgt das Lesen und Betrachten einer Bibelstelle und sie anwenden auf unser persönliches Leben. Ich bete dann die Laudes, weil ich die Psalmen liebe. Adolf betrachtet lieber die Geheimnisse des Rosenkranzes. Wir machen diese Tagesvorbereitung jeder für sich noch im Bett, weil wir einen unterschiedlichen Rhythmus haben. Nach dem Frühstück beten wir dann gemeinsam für unsere Verwandten und Freunde, die einen Festtag feiern, für die Verstorbenen, und für die 15 Priester, für die wir besonders eintreten und alle Menschen, die Gebet brauchen. Nach der Lebensübergabe und dem „Anziehen der Waffenrüstung Gottes“ (Eph 6,14-18) kommen zum Abschluss noch Lesung und Evangelium vom Tag, damit wir mit der ganzen Kirche verbunden sind. Diese Zeit am Morgen bringt uns viel Gutes und Segen. Wenn wir einmal nicht die ganze Zeit zur Verfügung haben, dann fehlt uns etwas Wichtiges.

Immer wieder durften und dürfen wir Gottes Liebe spüren und seine Sorge um uns. Wenn wir dringend etwas brauchten und vertrauensvoll Gott darum baten, bewegte er das Herz eines Menschen, der uns das Erbetene schenkte. Wir erlebten auch viele Male die wunderbare Brotvermehrung. Diese Zeugnisse der wunderbaren Führung Gottes würden allein mehr als ein Buch füllen. Eines aber möchte ich doch anführen zur Ehre Gottes, des liebenden Vaters:

Unser Einsatz in der HIFA lief immer auf Hochtouren und ich war wieder einmal müde und ausgelaugt.  Eines Tages bot sich ein Werbemanager an, eine spezielle Projektwerbung für die HIFA gratis zu machen. Adolf hatte die Idee, von den Mitgliedern der FRATERNITÄT die Adressen mit der Hand schreiben zu lassen. Ich fragte nach dem Adressenmaterial und meinte, das sei doch nicht so gut. Adolf war jedoch überzeugt von der Richtigkeit der Aktion. Und so schrieben meine Freunde aus der FRATERNITÄT Tausende Adressen. Und das Ergebnis der Aktion? Man rechnet mit einem bestimmten Prozentsatz an Reaktionen, doch diesmal kam nicht einmal das Porto der Aussendung herein. Mit dem Geld sollte dringend eine Rechnung von 7.102 Schilling und 70 Groschen bezahlt werden. Adolf versuchte schon, das Geld von Freunden auszuborgen, doch keiner hatte diesen großen Betrag zur Verfügung. Am letzten Zahltag saßen wir im Wohnzimmer und Adolf fragte, wo bei uns der Grund liege, dass diese Sendung nicht gesegnet war. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, dass ich das Hindernis gewesen bin! Ich hatte gezweifelt! Ich war mit Adolf nicht eins! Ich habe mich nicht engagiert, habe keine einzige Adresse geschrieben! Wie kann Gott so etwas segnen! Eine tiefe Reue überkam mich, besonders als ich daran dachte, wie viele Leute sich da ehrenamtlich eingesetzt haben und das nun ohne Erfolg! Meine Kehle war wie zugeschnürt und die Tränen flossen reichlich. In diesem Augenblick läutete es an der Türe, der Briefträger brachte die Post. Da war ein Brief dabei von der Österreichischen Länderbank, an Adolf Paster adressiert. Weder wir noch die HIFA hatten bei dieser Bank ein Konto. Im Brief stand, Frau Misako Yamasaki aus Tokio hat Ihnen für ihre Aufgaben den Betrag von 1.000 Yen überwiesen, das sind nach Abzug der angefallenen Spesen 7.102 Schilling und 70 Groschen. Der Betrag steht ihnen ab sofort zur Verfügung.         Gott hat uns nicht im Stich gelassen, er brauchte jedoch zuvor mein Einsehen und meine Umkehr! Unsere Gebete werden nur erhört, wenn wir untereinander eins sind und eins mit Jesus sind.

Die Geschichte dahinter: Martha musste in ihrer sechsjährigen Tätigkeit im Vorstand der Europäischen FRATERNITÄT 36 Mal zu Weiterbildungen und Konferenzen nach Paris reisen. Dort lernte sie Misako Yamasaki kennen, die den Flug in ihre Heimat von Wien aus gebucht hatte, Martha hatte der späteren Spenderin Begleitung und Unterkunft in Wien angeboten.

Aus einer Mail von Martha: Gottvertrauen ist mir zu wenig. Wir wurden immer von Gott beschenkt, wenn wir in der Einheit waren untereinander und mit Jesus, umkehrten und Buße taten!

Die Musterfarm in Nigeria wurde zur Sisyphusarbeit. Keine Entsendeorganisation konnte mit Entwicklungshelfern dienen. Es war überaus schwierig und zeitweise entmutigend, aus Fehlschlägen in der Entwicklungszusammenarbeit zu lernen. 1974 startete ein Patenschaftsprogramm, eine schulische Ausbildungshilfe. Einige der Jugendlichen konnten später landwirtschaftliche Ausbildungen in Österreich absolvieren und danach ihr Wissen über biologische Landwirtschaft, angefangen bei der Kompostierung, in ihrer Heimat weitergeben. Gegen Ende der 1970iger Jahre zeichnete sich eine Krise der Entwicklungsbemühungen ab. Auch HIFA bekam zu spüren, dass trotz rühriger Tätigkeiten der europäischen und amerikanischen Entwicklungsszene die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wurde. Wie von einem riesigen Staubsauger wurde der Fleiß der arbeitenden Bevölkerung abgesaugt. Der Ursache dieser Entwicklung begegnete Adolf im Büro von Dolores Bauer. Die bekannte Journalistin hatte am Schreibtisch ein Heft über Silvio Gesells Freiwirtschaftslehre liegen. Er las darin, während Dolores Bauer telefonierte. HIFA wurde damit zur ersten Organisation für Entwicklungszusammenarbeit, die die tiefen Wurzeln des Unrechts aufs Korn nahm.

Die Erfolge der HIFA in Nigeria, in Nachbarländern, in Südamerika, Indien und nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs in Ungarn, Rumänien und der Ukraine, wären ohne die Begabungen, den Eifer, die Hoffnung der FRATERNITÄT so nicht möglich geworden. Die Freude und Zuversicht von Fraternitätsmitgliedern, die ehrenamtlich den Versand der HIFA Zeitung übernommen hatten, ermutigten viele Spender in Ostösterreich, in die Projekte der HIFA zu investieren. Wie in Österreich, so wurde auch in den Partnerländern sehr viel ehrenamtlich für  HIFA gearbeitet.

In besonderer Weise verdient gemacht hat sich, neben Aaron Ekwu für Nigeria, Ilona Pintèr für HIFA in Ungarn, in der Vojvodina, in Siebenbürgen und der Karpaten-Ukraine. Ilona hatten Pasters als Mitarbeiterin der Charismatischen Bewegung Ungarns in Wien kennengelernt und hier mit einer Hilfsgütersammel- und Koordinierungsstelle begonnen. Ilona übersetzte für Pasters. Ihre kleine Wohnung wurde Büro und offenes Haus, auch Schlafstelle in der Großstadt. Sie selbst bezog ein kleines Gartenhaus am Rande der Stadt Sopron. Auch in Ungarn erschien nun eine HIFA Zeitschrift, Ilona setzte sich auch dafür ein, freiwirtschaftliches Gedankengut in Ungarn zu verbreiten.

Die verwirklichten Projekte der HIFA

Landwirtschaft: 1 Musterfarm, 9 Familienfarmen,

2 Fischfarmen, 1 Reismühle, 3 Cassavamühlen,

2 Palmkernmühlen, 10 Brunnen, Überleben durch Selbstversorgung (Training und Starthilfe).

Handwerk, Gewerbe: 2 Tischlereien mit Lehrwerkstätten (für 65 Lehrlinge), 2 Näh- und Ausbildungszentren für Mädchen, 1 Schneiderlehrwerkstätte in Benin City,

1 Seifenproduktion, 1 Druckerei, mehrere Lehrwerkstätten in Calabar: Spenglerei und Metallverarbeitung, Tischlerei, Kfz Werkstätte, Computer Labor, Labor für Elektrotechnik und Elektronik, Mediendesign, Mikrofinanzdarlehen.

Erziehung, Ausbildung: 30.000 Jahresschul- Patenschaften, 500 Berufsförderungen,

1 Ausbildungszentrum, 2 Kindergärten, 1 Waisenhaus,

5 Schulen, 1 Berufsschule, Trainings für arbeitslose Jugendliche zum Thema „Empowerment“ 

Medizinische Betreuung: 2 Gesundheitszentren,

1 Röntgenstation, 3 Laboratorien, 1 Blutbank, diverse medizinische Einzelhilfen, 6 Spitäler, Outreach Programm in dörflichen Slumgebieten, Unterricht zu natürlicher Geburtenkontrolle in Schulen und Erwachsenenbildung anhand von Tools, die

Dr. Maria Hengstberger entwickelt hat, Mobile Krankenstation.

Behindertenbetreuung: 1 Behindertenzentrum, integrativ geführte Schule und Behinderteneinrichtungen,

23 Fraternitätsgruppen (Österreich, Ungarn, Nigeria, Rumänien, Karpaten-Ukraine, Slowenien und Polen),

Behindertenbehelfe (Rollstühle, Gehhilfen etc.) Transportzuschüsse, Berufsausbildung, Not-Soforthilfen

Errichtung von Photovoltaikanlagen

Hilfsgüter: Hilfsgüter für Südostnigeria, Osteuropa und verschiedene Katastrophen im Wert von

1,5 Millionen Euro.

Wunder halten an: Als ich mit Ulrike zu Adventbeginn telefonierte, erzählte sie, eben jetzt wäre sie wieder einmal „wunderbar“ überrascht. Das nötige Geld für Essensausgabe im Slum von Okpoko, war eingetroffen. Durch die Corona-Pandemie sind die Menschen dort vom Elend in den Hunger geglitten.

Die Projektleiterin, Dr. Joyce Ezeugo, Ärztin und geistliche Schwester, ist selbst in diesem Slumgebiet aufgewachsen! Formularbeginn

 INWO – Initiative für natürliche Wirtschaftsordnung Österreich:

Dank Dolores Bauer hatte Adolf Paster den Obmann der Freiwirtschaftlichen Union, Alois Dorfner aus Linz kennengelernt. Dieser erschloss ihm die Lehre von Silvio Gesell und hatte ihm den Kontakt mit dem kapitalismuskritischen Moraltheologen DDr. Johannes Kleinhappl empfohlen. Kleinhappl verstarb genau an dem Tag, an dem er Adolf zu einem Besuch eingeladen hatte. Ein neuer Hoffnungsschimmer für Adolf war Kleinhappls bester Freund, der ehemalige Bonner Kanzlerlektor Dr. Ernst van Loen. Dieser Vogelsangbund-Aktivist brachte Adolf die Gedankenwelt der christlichen Wirtschaftstheoretiker und Sozialreformer näher. Nun bemühte sich Adolf die gewonnenen Erkenntnisse in den nun voll anlaufenden Projekten in Nigeria zu berücksichtigen. Er wurde nicht müde, durch die HIFA-Zeitung und bei Vorträgen, die zerstörerischen Mechanismen des Kapitalismus anzuprangern.

Adolf fordert 3-5-4:

3: Markt- und eigentumstaugliche Produkte für Alle, Ressourcenpartizipation für Alle, Gerechte Arbeitseinkommen für Alle.
5: Soziale Wahrheit, Soziale Gerechtigkeit, Solidarität (Nächstenliebe), Geschwisterlichkeit, Demokratie (Wertstufendemokratie nach Prof. Dr. Heinrichs www.johannesheinrichs.de).

4: Währungsreform, Bodenreform, freier und kooperativer Wettbewerb, Soziale Schutzpflicht für alle Nichtwettbewerbsfähigen.

Im Herbst 1980 fand die erste Großveranstaltung statt, die zu einer entscheidenden inhaltlichen Weichenstellung beitrug. Aus Gesprächsreihen und Dialogrunden entstand eine eigene Wirtschaftsgruppe innerhalb der HIFA.

1992 gelang die Gründung der INWO Österreich, als selbstständige Ländersektion der INWO-International. Dies war nun die dritte Säule der „Arbeitsgemeinschaft“. Es ergaben sich wertvolle Synergieeffekte, die nicht nur die eigene Arbeit hervorragend stimulierten, sondern zum Vorbild für den Aufbau ähnlicher Organisationsstrukturen in anderen Ländern und Kontinenten wurden.

Wunder brauchen demütigen Boden

Von der Versöhnlichkeit. In den Geldreformbewegungen gibt es in den letzten Jahrzehnten viele Synergien, man spürt, dass verschiedene Modelle miteinander kompatibel wären und begegnet einander freundlich und wertschätzend, trotz oft sehr unterschiedlicher Sichtweisen.

Adolf war von Anfang an durch die Lektüre Gesells und dank der Auseinandersetzung mit den Nachlässen seiner Vorbilder unter den Moraltheologen, DDr. Johannes Kleinhappl und DDDDr. Johannes Ude von der Freiwirtschaftslehre fest überzeugt. Diese konnte der deutsche Ergokrat Albert Lämml nicht hinnehmen. Er äußerte sich in seinen Aussendungen sehr negativ über Adolf, weil er meinte, dass mit seinem Konzept der Arbeitswertlehre längst eine Währungsreform möglich geworden wäre, wenn nicht die Freiwirte in ihrer inakzeptablen Strenge seine Bemühungen zunichtemachen würden. Adolf reiste nach Linz, um Lämml bei dessen Durchreise ins Salzkammergut zu begegnen. Ich durfte Zeugin des Gespräches werden: Die beiden beschränkten sich in ihrem sogar freundschaftlichen Gespräch auf gemeinsame Überlegungen. Freilich: Bei seiner nächsten Aussendung wehrte sich Lämml erneut massiv und beleidigend gegen freiwirtschaftliche Ansätze. Nie hat Adolf gegen Lämml gewettert, höchstens geschmunzelt: „Lämml der Lümmel“

Aus einer Mail von Adolf über das Gebet:

Wir Christen haben die Aufgabe, die Welt im Auftrag der Vollmacht Christi zu verändern – aber das scheint nahezu vergessen worden zu sein. … Viele Texte aus den heiligen Schriften weisen auf diese Aussage hin. Unser Glaube erführe wieder eine feststellbare Folgewirkung unseres Gebetes. Das ist mir auch umso klarer geworden, nachdem ich ähnliche Aussagen vom Autor Derek Prince in seinen Büchern gelesen habe.

Derzeit geht es uns ganz gut….. Die dreimalige Dialyse, jeweils 4 Stunden pro Woche, gibt mir die einmalige Chance über offene Probleme nachzudenken und mit Jesus Gespräche zu führen.

Aus Adolfs Tagebuch von 2004

Während Martha der Sitzung des Vorstandes in Grein vorstand, saß ich im Raum neben der Küche in einen bequemen Lehnstuhl, betete den Rosenkranz, zu dem ich die meiste Zeit wegen der Tageshektik nicht komme und meditierte auch unsere persönliche Lage und die Situation in der Arge. Ich sprach den Heiligen Geist ganz stark mit einem “inneren” Gebet an und bat ihn um Lösungen für unsere Probleme.

Plötzlich stand eine Eingebung im bereits halbdunklen Raum: “Hilf mit, die Schleusen der Fülle zu öffnen”. Mir wurde sofort völlig klar, dass dies nicht nur einfach ein Buchtitel oder sonst irgendetwas sein sollte, sondern die gesamte Richtung unserer Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. 

Tief beeindruckt haben mich Marthas Erzählungen aus ihrem Alltag in Wien

Der Schlüssel großer Erfolge waren wohl auch Erfahrungen aus der Zeit, als sie bettlägerig war. Sie, der Sauberkeit sehr wichtig war, musste mit ansehen, dass Staubwickel unter dem Bett hervorkrochen. So lernte sie einzusehen, was wirklich wichtig ist im Leben. Die Erfahrung zu wissen, dass auch persönliche Fähigkeiten und Möglichkeiten Geschenk sind, wurde für Pasters zum Schlüssel für Erfolge. 

Martha war angewiesen auf Geschenke.

Von ihrem Lebensmittelgeschäft bekam sie immer wieder Gemüse und Obst, auch andere Nahrungsmittel, die nicht mehr verkauft werden konnten.

Bernhard war gewachsen, sein Pyjama immer wieder geflickt, verlängert, ist schließlich einfach zu klein geworden. So dringend hätte Martha einen neuen Pyjama für ihren Sohn gebraucht. Da lag eines Tages über dem Gemüse auch etwas Bekleidung, u. a. ein Pyjama für Bernhard!

…….

Anhang

Adolf und Martha Paster durfte ich 1992 als Mitglieder der „Sammlung Christlicher Alternativen“ (SCA) kennenlernen. Diese lose Sammelbewegung war auch als politische Partei angemeldet. Unsere Kernthemen waren: Die Frohbotschaft Jesu als Maß und Wegweiser für eine Politik des ausgehenden 20. Jahrhunderts, Schutz des Lebens, Marktwirtschaft ohne Kapitalismus, Geschwisterlichkeit und Demokratie, unsere Schule und Friedenspolitik.

Dr. Franz Schallhas hatte als Entwicklungshelfer in Bolivien gearbeitet. In einem späteren Gespräch überlegte sich ein Nicaraguaner auf die Frage, was er sich von Österreich wünschen würde, nicht Wirtschaftshilfe (sprich Geld) oder technisches Know-how, sondern, dass wir in Europa unser Wirtschafts- und Sozialsystem gut ausbalancieren. Damit könnten Länder im Süden sehen, welche Richtung einzuschlagen wäre.

Franz und Freunde von ihm, vorwiegend ebenso ehemalige Entwicklungshelfer, haben die SCA gegründet. 1997 wurde diese Partei ruhend gestellt. Danach arbeiteten wir überparteilich. Viele von uns, ganz maßgeblich seine Frau Dr. Marianne Schallhas, bis 2019 in der „Arbeitsgemeinschaft Gerecht Wirtschaften für Frieden und Bewahrung der Schöpfung.“ Das „Forum Seitenstetten“ kann als deren Tochter gesehen werden.  

Zur Kapitalismuskritik

Die Kritik an der Möglichkeit, mehr zurückzufordern als gegeben wurde und damit das soziale Gefälle in der Gesellschaft zu vergrößern, ist Jahrtausende alt. Wir kennen sie vor allem aus dem Alten Testament, der biblischen Vision: „Schalom“. Siehe www.arge-gerecht-wirtschaften.at Ausstellungsführer „Segen und Fluch des Geldes“, die Tafeln 12 „Geld und Bibel“, und aus der Kirchengeschichte, 13, „Geld und Kirche.“

Besonders scharf hat der Universalgelehrte Aristoteles im vierten vorchristlichen Jahrhundert die Zinswirtschaft verurteilt. Diese sei eine Einnahmequelle, die am meisten der Natur zuwiderläuft.

Wurzeln des Antisemitismus

finden wir im Problem der Christen, sich die Geldordnung selbst zu regeln und in der bitteren Armut der Juden im Mittelalter. Es war ihnen nicht möglich, den Zunft- oder Lehenseid zu schwören. Ihre einzige selbstständige Erwerbstätigkeit war der Handel mit Altwaren. Das Zinsverbot im AT wurde auf den Satz reduziert: „Du sollst von Deinem Bruder keinen Zins nehmen“, Dtn 23, 20. Jesus hat gesagt: „Ihr alle aber seid Brüder“. Mt. 23,8. Im Umfeld von Synagogen soll es auch heute noch realzinsfreie Kredite geben. Von den Christen aber durften die Juden Zins verlangen. Ohne Zins wurde Geld trotz aller Verbote gehortet. Waren nun aber die Schulden zu hoch, so wurden die Juden verjagt, oder es passierte noch viel Schlimmeres!

Viktor Frankl und Marshall Rosenberg

gehören zu den wichtigsten Lehrern unserer Zeit. Beide haben ganz besonders eindrucksvoll gelehrt, was wir zur Gestaltung einer heileren Zukunft brauchen.

Viktor Frankl hatte seine Eltern, seine Frau und seinen Bruder in der NS- Zeit verloren, er selbst überlebte vier Konzentrationslager. Frankl weigerte sich zu hassen: „Wie könnte ich jemand hassen, den ich gar nicht kenne?“ Er wehrt sich gegen das Vokabel Kollektivschuld, dagegen, dass Nachkommen sich für die Verbrechen ihrer Väter entschuldigen müssen. Frankl ermutigt dazu, den Menschen nicht so zu sehen, wie er ist, sondern so, wie er sein könnte, um ihn dabei zu unterstützen, so gut zu sein, wie es ihm möglich ist. Dieser überaus liebevolle Mensch, der wohl größte Österreicher des 20. Jahrhunderts, lehrte mit der Logotherapie, dass auch im schrecklichsten Leiden ein Sinn gefunden und damit „heilsam“ gelebt werden kann.

Marshall Rosenberg erlebte den Hass auf Juden in den USA. Nachdem seine Kameraden in der neuen Schule durch das Nennen seines Namens wussten, dass er Jude war, wurde es für ihn zu einer großen Herausforderung, auf unterschiedlichen Wegen nachhause zu laufen, um nicht täglich verprügelt zu werden. Daheim aber durfte er erleben, wie unendlich behutsam und zärtlich sein Onkel, der täglich nach der Arbeit vorbeikam, die bettlägerige Oma pflegte. Das so überaus liebevolle Gesicht wurde ihm zum großen Vorbild.

Seine Bücher über „Gewaltfreie Kommunikation“ beinhalten unter anderem folgende Weisheit: „Die Grenze zwischen Gut und Böse geht durch jedes Menschen Herz. Es kommt darauf an, welche Seite ich in mir und in anderen füttere!“

Im Ausstellungsführer der ARGE Gerecht Wirtschaften für Frieden und Bewahrung der Schöpfung, Link siehe oben, finden Sie mit Tafel 2, „Auf der Suche nach dem idealen Geldsystem“ einige Geldkonzepte aus der Geschichte, die zum Wohle aller sehr viel besser dienen konnten.

Mit „Forum Seitenstetten Auswegdialoge“ finden Sie Gespräche über Modelle für eine gerechtere Geldordnung von heute. Einblicke in das umfassende Wissen von Prof. Heinrich Wohlmeyer und Lino Zeddies möchte ich besonders empfehlen (auch als Texte verfügbar).

In den 1990iger Jahren wurden außer dem Gedankengut der INWO und anderer älterer zinskritischer Bewegungen immer mehr Quellen für Auswege zugängig. Inzwischen gibt es eine Flut von Büchern und Filmen zur Geldfrage. 

In der heutigen Zeit hätten wir, weltweit vernetzt, viel mehr Möglichkeiten die Geldfrage endlich zu lösen.

als früher, in einem sehr breiten, überparteilichen, interreligiösen, interdisziplinären Miteinander. Im Juni 2010 haben 22 EU- Parlamentarier aus allen Fraktionen, die für das Geld- und Bankenwesen zuständig sind, einen Aufruf an die Zivilbevölkerung unterzeichnet mit der Forderung nach einem Gegengewicht zur Finanzlobby, weil sonst die Demokratie in Gefahr wäre. Aus gewichtigen Gründen ist es Spitzenpolitikern nicht möglich, die Situation unserer Geldordnung zu enttabuisieren, damit besteht auch allein „von Oben“ kaum eine Möglichkeit zum Umbau der Finanzarchitektur.

2016 haben sich über 60 Wirtschaftswissenschaftler am Institut für Politikwissenschaften in Lyon getroffen, um sich über alternative Geldkonzepte auszutauschen. 2018 fand in Berlin ein kleineres Geldwendekonvergenztreffen statt. Über 10 000 Komplementärwährungen, können weltweit als Lernfelder auch für gerechtere (inter-) nationale Währungen gesehen werden.

Jeder kann für eine nachhaltige, friedensfähige Geldordnung etwas tun.

Es wäre so wichtig, wenn sich immer mehr Menschen wenigstens soweit für die Funktionsweise des Geldes interessieren würden, dass sie wüssten: Wir brauchen keine Sündenböcke mehr! In unseren alten Volkswirtschaften sind es nicht zuerst böse Menschen, sondern strukturelle Probleme, die Konkurrenzkampf, Zerstörung der Mitwelt und Kriege nicht nur fördern sondern sogar fordern und in vielen Bereichen unersetzbare Werte verdrängen! Hier können Sie in ein paar Minuten das wesentlichste in einem kurzen Film erfahren: https://monneta.org/media/monneta-fehler-im-geldsystem/

Es wäre überaus kostbar, Mitbürger vom Protest zum Konstruktiven hin zu führen. Unser Geld funktioniert eben nur zu Beginn einer Volkswirtschaft zum Wohle aller. Vorbild, ein besonders heller Stern für eine Politik der Zukunft ist der Altbürgermeister von Steinbach a. d. Steyr, Ing. Karl Sieghartsleitner. Es gelang ihm, eine daniederliegende Gemeinde durch überparteiliche Freundschaft zum Erfolgsmodell zu gestalten.

Das 4. Österreichische Sozialforum, 2008 im Schloss von St. Peter/ Au, hatten bei der ersten Podiumsdiskussion durch Nachbesetzung im Alleingang z. T. extrem Linke für sich vereinnahmt. Knapp, bevor diese Veranstaltung gesprengt hätte werden müssen, stand Sieghartsleitner auf und hielt eine kleine Ansprache. Seine Rede endete mit den Worten: „Hier müssen wir alle noch sehr, sehr viel lernen!“ Seine Worte waren Rettung in großer Not.

Dieser Bürgermeister kümmerte sich vor allem auch um den ärmsten Menschen seiner Gemeinde. Franz Großauer, der Name darf genannt werden, hatte wegen des Alkohols seine Familie und so ziemlich alles verloren. Nach einem schweren Unfall war sein Lebenswille auf null, er konnte nicht einmal mehr sprechen. Nach zwei Besuchen verteilte der Bürgermeister in der Gemeinde Adressen vom Franz in der Reha Meidling, mit der Bitte, ein Foto von früheren gemeinsamen Arbeitsplätzen, oder einfach nur einen lieben Gruß zu schicken. Ärzte und Pfleger konnten es kaum fassen. So hoffnungslos hatte es mit ihm ausgesehen, Herr Großauer war wie ausgewechselt! Er wollte nun auch noch in der Nacht trainieren! Trotz bleibender Behinderung spricht er heute von seinem zweiten Leben: Er kann Bäume pflanzen, seinen Haushalt selbst führen, kleine Tiere halten und ein Mopedauto fahren.

Von den Schwächsten der Gemeinschaft kann am meisten Freude ausgehen!

Sehr, sehr viele Frauen und Männer bemühen sich weltweit um den Frieden und übernehmen auf vielerlei Weise Verantwortung. Das Problem unserer Geldordnung braucht die Bereitschaft, sich Wissen anzueignen, auch für verbal gewaltfreie Strategien in der Kommunikation. Täter sind selbst Opfer von Irrümern!

Im Grunde will jeder Mensch ein gutes Leben. Strukturbedingten Mangelgefühlen und der Sucht nach Ersatzbefriedigungen konnte es gelingen, Weisheit und Empathie abzutrainieren. Jede/ jeder von uns wird spüren, was ihr/ ihm möglich ist, um hier dagegen zu arbeiten. Öffnen wir die „Schleusen der Fülle!“ wie Adolf und Martha es getan haben!  

Wie ist das mit dem Leid?

Sehr betroffen gemacht hat mich Martha Pasters Erzählung über ihre Freundin Frieda. Diese wollte gerne Schneiderin werden, musste sich aber verdingen, um finanziell mitzuhelfen, ihrem älteren Bruder Franz das Studium zu bezahlen. Als sich der Jungbauer in sie verliebte, hat sein Vater die Heirat verboten, weil er nicht die Tochter eines Selbstmörders zur Schwiegertochter haben wollte. Frieda heiratete schließlich einen Köhler, der zum Alkoholiker wurde. Friedas Leben war hart.

Dafür aber wurde ihr Bruder, Kardinal Franz König, für den sie viel gearbeitet und gelitten hat, Hoffnung und Trost, Vermittler tiefer Freude für viele Menschen.

Es ist die Liebe, die Leiden in ihrer Vielfalt überwinden, oder eben auch ertragen kann und trotz allem heilsam leben lässt.

Adolf und Martha, mit ihren 89 und 90 Jahren, leiden an einer ganzen Liste von Gebrechen. Adolf ist seit 7 Jahren Dialysepatient, er wird nachts zeitweise von massiven Schmerzzuständen geplagt.

Liebe ist, ebenso wie Hoffnung, Entscheidung!

Frohe Weihnachten! Genügend Zeit, Freude an der Stille und ein gesegnetes Jahr 2021

wünschen herzlich, 

Josefa Maurer und DI Wolfgang Reinke

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Josefa Maurer, Tannengasse 1, A 3352 St. Peter/ Au maurerjosefa@gmx.at 

Sehr herzlich sind Sie eingeladen

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